Die Herstellung von Bergkäse – Tradition, Handwerkskunst und echter Alpencharakter
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Bergkäse: Eine Spezialität mit jahrhundertealter Geschichte
Bergkäse zählt zu den traditionsreichsten und beliebtesten Käsesorten im Alpenraum. Sein kräftiges Aroma, die lange Reifezeit und die handwerkliche Herstellung machen ihn zu einer echten Delikatesse. Besonders in den Alpenregionen wird Bergkäse seit Jahrhunderten nach traditionellen Verfahren hergestellt, auch heute noch in kleinen Sennereien und Almkäsereien.
Die Herstellung von Bergkäse ist ein aufwendiger Prozess, der viel Erfahrung, Geduld und hochwertigste Zutaten erfordert. Von der frischen Milch bis zur monatelangen Reifung entsteht ein Naturprodukt, dessen Qualität eng mit Herkunft, Handwerk und regionaler Tradition verbunden ist.
Die Grundlage: Hochwertige Milch aus den Bergen
Die Qualität eines Bergkäses beginnt bereits bei der Milch. Für echten Bergkäse wird überwiegend frische Rohmilch oder thermisierte Milch von Kühen verwendet, die auf alpinen Weiden grasen.

Die besondere Flora der Bergregionen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Kräuter, Gräser und alpine Pflanzen verleihen der Milch ein besonders aromatisches Profil. Genau diese natürlichen Inhaltsstoffe sorgen später für den unverwechselbaren Geschmack des Käses.
Vor allem im Sommer, wenn die Tiere auf den Almen weiden, entwickelt die Milch eine besonders hohe Qualität. Viele traditionelle Käsereien produzieren ihren Bergkäse daher bevorzugt während der Alpzeit.
Der erste Schritt: Die Dicklegung der Milch
Nach dem Melken wird die frische Milch in große Kupfer- oder Edelstahlkessel gefüllt und schonend erwärmt. Anschließend werden Milchsäurebakterien hinzugefügt, die für die spätere Aromaentwicklung verantwortlich sind.
Danach erfolgt die sogenannte Dicklegung. Hierbei wird Lab zugesetzt, ein natürliches Enzym, das die Milch gerinnen lässt. Innerhalb von etwa 30 bis 40 Minuten verwandelt sich die flüssige Milch in eine feste Masse, die sogenannte Gallerte.
Dieser Schritt ist entscheidend für die spätere Konsistenz und Qualität des Bergkäses.
Der Käsebruch: Handwerkliche Präzision
Sobald die Milch fest geworden ist, wird die Masse mit einer Käseharfe geschnitten. Dabei entsteht der sogenannte Käsebruch.

Die Größe der Bruchkörner beeinflusst später den Wassergehalt des Käses. Für Bergkäse wird der Käsebruch besonders fein geschnitten, damit mehr Molke austreten kann. Dadurch erhält der Käse seine typische feste Konsistenz und gute Lagerfähigkeit.
Anschließend wird der Käsebruch langsam erhitzt und regelmäßig gerührt. Dieser Vorgang erfordert viel Erfahrung, da Temperatur und Dauer exakt abgestimmt werden müssen.
Formen und Pressen des Bergkäses

Nachdem ausreichend Molke entfernt wurde, wird der Käsebruch in Formen gefüllt. Dort beginnt der nächste wichtige Schritt: das Pressen.
Durch das Pressen wird weitere Flüssigkeit aus dem Käse entfernt und der Laib erhält seine typische Form. Gleichzeitig entsteht die spätere Struktur des Käses.
Je nach Käserei und Sorte kann dieser Vorgang mehrere Stunden dauern. Traditionell werden große runde Laibe hergestellt, die oft zwischen 20 und 40 Kilogramm wiegen.

Das Salzbad: Mehr als nur Würze
Nach dem Pressen kommt der junge Käse in ein Salzbad. Dieser Schritt erfüllt mehrere wichtige Funktionen:
Bildung der Rinde
Verbesserung der Haltbarkeit
Unterstützung der Reifung
Entwicklung des Aromas
Die Dauer des Salzbadaufenthalts hängt von der Größe des Käselaibs ab. Große Bergkäse verbleiben oft mehrere Tage in der Salzlake.
Die Reifung: Der wichtigste Teil der Herstellung
Die Reifezeit macht aus jungem Käse erst echten Bergkäse. Während dieser Phase entwickeln sich Geschmack, Textur und Aroma.
Die Laibe werden in speziellen Reifekellern gelagert, in denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant überwacht werden. Traditionell reift Bergkäse auf Holzbrettern, die zusätzlich zur natürlichen Aromaentwicklung beitragen.

Während der Reifung müssen die Käselaibe regelmäßig gepflegt werden. Dazu gehören:
regelmäßiges Wenden
Bürsten der Rinde
Pflege mit Salzwasser
Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Je länger ein Bergkäse reift, desto intensiver wird sein Geschmack.

Wie lange reift Bergkäse?
Die Reifezeit variiert je nach Sorte und gewünschtem Aroma.
Jung gereifter Bergkäse
Reifezeit: etwa 3 bis 4 Monate
Geschmack: mild und leicht nussig
Konsistenz: geschmeidig und elastisch
Mittelgereifter Bergkäse
Reifezeit: 6 bis 9 Monate
Geschmack: kräftiger und würziger
Konsistenz: fester und aromatischer
Lang gereifter Bergkäse
Reifezeit: 12 Monate oder länger
Geschmack: intensiv, würzig und komplex
Konsistenz: hart und teilweise kristallin
Gerade lange gereifter Bergkäse entwickelt feine Salzkristalle und besonders intensive Aromen, die von Kennern geschätzt werden.
Traditionelle Herstellung versus industrielle Produktion
Traditionell hergestellter Bergkäse unterscheidet sich deutlich von industriell produzierten Käsesorten.
Handwerklicher Bergkäse
Herstellung in kleinen Mengen
regionale Milch
lange Reifung
traditionelle Rezepturen
natürliche Aromaentwicklung
Industrieller Käse
standardisierte Produktion
häufig kürzere Reifezeiten
größere Produktionsmengen
gleichförmiger Geschmack
Viele Genießer bevorzugen handwerklich produzierten Bergkäse, da dieser deutlich mehr Charakter und Individualität besitzt.
Warum Bergkäse so aromatisch ist
Der intensive Geschmack von Bergkäse entsteht durch mehrere Faktoren:
Die Fütterung der Tiere
Die Kräuter und Gräser alpiner Wiesen enthalten zahlreiche natürliche Aromastoffe.
Die Rohmilch
Viele traditionelle Bergkäsesorten werden aus Rohmilch hergestellt. Dadurch bleiben besonders viele Geschmacksstoffe erhalten.
Die lange Reifung
Erst während der monatelangen Reife entwickeln sich die typischen würzigen und nussigen Aromen.
Die Pflege des Käses
Das regelmäßige Bürsten und Wenden beeinflusst die Entwicklung der natürlichen Rinde und des Geschmacks.
Bergkäse in der alpinen Küche
Bergkäse ist ein zentraler Bestandteil vieler traditioneller Alpen-Gerichte. Durch sein kräftiges Aroma eignet er sich hervorragend für warme und kalte Speisen.
Besonders beliebt ist Bergkäse in:
Kässpatzen
Fondue
Raclette
Brettljausen
Gratins
alpinen Suppen und Aufläufen
Auch auf Käseplatten entfaltet hochwertiger Bergkäse sein volles Aroma.
Nachhaltigkeit und Regionalität
Die Herstellung von Bergkäse steht häufig für nachhaltige Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung. Viele kleine Sennereien arbeiten eng mit lokalen Bauern zusammen und setzen auf traditionelle Produktionsmethoden.
Kurze Transportwege, natürliche Tierhaltung und handwerkliche Verarbeitung machen Bergkäse zu einem hochwertigen regionalen Lebensmittel mit besonderem Charakter.
Gerade in Zeiten zunehmender Industrialisierung gewinnt diese Form der traditionellen Lebensmittelproduktion immer mehr an Bedeutung.

Fazit: Bergkäse ist echte Handwerkskunst
Die Herstellung von Bergkäse ist ein komplexer und traditionsreicher Prozess, der viel Erfahrung und Geduld erfordert. Von der hochwertigen Milch bis zur monatelangen Reifung entsteht ein Naturprodukt mit unverwechselbarem Charakter.
Die Kombination aus alpiner Herkunft, handwerklicher Herstellung und langer Reifezeit macht Bergkäse zu einer besonderen Spezialität, die weit über die Alpen hinaus geschätzt wird.
Wer hochwertigen Bergkäse genießt, erlebt nicht nur intensiven Geschmack, sondern auch ein Stück gelebter Alpenkultur und echter Handwerkskunst.



