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Die Herstellung von Bergkäse – Tradition, Handwerkskunst und echter Alpencharakter

  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
Ein Käsebrett mit Bergkäse und Nüssen auf der Bar des urigen Wirtshauses edelweiss

Bergkäse: Eine Spezialität mit jahrhundertealter Geschichte

Bergkäse zählt zu den traditionsreichsten und beliebtesten Käsesorten im Alpenraum. Sein kräftiges Aroma, die lange Reifezeit und die handwerkliche Herstellung machen ihn zu einer echten Delikatesse. Besonders in den Alpenregionen wird Bergkäse seit Jahrhunderten nach traditionellen Verfahren hergestellt, auch heute noch in kleinen Sennereien und Almkäsereien.


Die Herstellung von Bergkäse ist ein aufwendiger Prozess, der viel Erfahrung, Geduld und hochwertigste Zutaten erfordert. Von der frischen Milch bis zur monatelangen Reifung entsteht ein Naturprodukt, dessen Qualität eng mit Herkunft, Handwerk und regionaler Tradition verbunden ist.


Die Grundlage: Hochwertige Milch aus den Bergen


Die Qualität eines Bergkäses beginnt bereits bei der Milch. Für echten Bergkäse wird überwiegend frische Rohmilch oder thermisierte Milch von Kühen verwendet, die auf alpinen Weiden grasen.


Ein Milchbauer gießt die Bild in einen großen Behälter

Die besondere Flora der Bergregionen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Kräuter, Gräser und alpine Pflanzen verleihen der Milch ein besonders aromatisches Profil. Genau diese natürlichen Inhaltsstoffe sorgen später für den unverwechselbaren Geschmack des Käses.


Vor allem im Sommer, wenn die Tiere auf den Almen weiden, entwickelt die Milch eine besonders hohe Qualität. Viele traditionelle Käsereien produzieren ihren Bergkäse daher bevorzugt während der Alpzeit.


Der erste Schritt: Die Dicklegung der Milch


Nach dem Melken wird die frische Milch in große Kupfer- oder Edelstahlkessel gefüllt und schonend erwärmt. Anschließend werden Milchsäurebakterien hinzugefügt, die für die spätere Aromaentwicklung verantwortlich sind.


Danach erfolgt die sogenannte Dicklegung. Hierbei wird Lab zugesetzt, ein natürliches Enzym, das die Milch gerinnen lässt. Innerhalb von etwa 30 bis 40 Minuten verwandelt sich die flüssige Milch in eine feste Masse, die sogenannte Gallerte.


Dieser Schritt ist entscheidend für die spätere Konsistenz und Qualität des Bergkäses.


Der Käsebruch: Handwerkliche Präzision


Sobald die Milch fest geworden ist, wird die Masse mit einer Käseharfe geschnitten. Dabei entsteht der sogenannte Käsebruch.


Ein Milchbauer bearbeitet die feste Milch mit einer Käseharfe

Die Größe der Bruchkörner beeinflusst später den Wassergehalt des Käses. Für Bergkäse wird der Käsebruch besonders fein geschnitten, damit mehr Molke austreten kann. Dadurch erhält der Käse seine typische feste Konsistenz und gute Lagerfähigkeit.


Anschließend wird der Käsebruch langsam erhitzt und regelmäßig gerührt. Dieser Vorgang erfordert viel Erfahrung, da Temperatur und Dauer exakt abgestimmt werden müssen.


Formen und Pressen des Bergkäses


Ein Mann entfernt den Käsebruch aus dem Milchgefäß

Nachdem ausreichend Molke entfernt wurde, wird der Käsebruch in Formen gefüllt. Dort beginnt der nächste wichtige Schritt: das Pressen.


Durch das Pressen wird weitere Flüssigkeit aus dem Käse entfernt und der Laib erhält seine typische Form. Gleichzeitig entsteht die spätere Struktur des Käses.


Je nach Käserei und Sorte kann dieser Vorgang mehrere Stunden dauern. Traditionell werden große runde Laibe hergestellt, die oft zwischen 20 und 40 Kilogramm wiegen.


Der Käsebruch wird

Das Salzbad: Mehr als nur Würze


Nach dem Pressen kommt der junge Käse in ein Salzbad. Dieser Schritt erfüllt mehrere wichtige Funktionen:


  • Bildung der Rinde

  • Verbesserung der Haltbarkeit

  • Unterstützung der Reifung

  • Entwicklung des Aromas


Die Dauer des Salzbadaufenthalts hängt von der Größe des Käselaibs ab. Große Bergkäse verbleiben oft mehrere Tage in der Salzlake.


Die Reifung: Der wichtigste Teil der Herstellung


Die Reifezeit macht aus jungem Käse erst echten Bergkäse. Während dieser Phase entwickeln sich Geschmack, Textur und Aroma.


Die Laibe werden in speziellen Reifekellern gelagert, in denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant überwacht werden. Traditionell reift Bergkäse auf Holzbrettern, die zusätzlich zur natürlichen Aromaentwicklung beitragen.


Die Käselaiber werden mit Salzwasser eingerieben

Während der Reifung müssen die Käselaibe regelmäßig gepflegt werden. Dazu gehören:


  • regelmäßiges Wenden

  • Bürsten der Rinde

  • Pflege mit Salzwasser

  • Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit


Je länger ein Bergkäse reift, desto intensiver wird sein Geschmack.


Die Käselaiber reifen in Regalen mehrere Monate und werden fester

Wie lange reift Bergkäse?


Die Reifezeit variiert je nach Sorte und gewünschtem Aroma.


Jung gereifter Bergkäse


  • Reifezeit: etwa 3 bis 4 Monate

  • Geschmack: mild und leicht nussig

  • Konsistenz: geschmeidig und elastisch


Mittelgereifter Bergkäse


  • Reifezeit: 6 bis 9 Monate

  • Geschmack: kräftiger und würziger

  • Konsistenz: fester und aromatischer


Lang gereifter Bergkäse


  • Reifezeit: 12 Monate oder länger

  • Geschmack: intensiv, würzig und komplex

  • Konsistenz: hart und teilweise kristallin


Gerade lange gereifter Bergkäse entwickelt feine Salzkristalle und besonders intensive Aromen, die von Kennern geschätzt werden.



Traditionelle Herstellung versus industrielle Produktion


Traditionell hergestellter Bergkäse unterscheidet sich deutlich von industriell produzierten Käsesorten.


Handwerklicher Bergkäse


  • Herstellung in kleinen Mengen

  • regionale Milch

  • lange Reifung

  • traditionelle Rezepturen

  • natürliche Aromaentwicklung


Industrieller Käse


  • standardisierte Produktion

  • häufig kürzere Reifezeiten

  • größere Produktionsmengen

  • gleichförmiger Geschmack


Viele Genießer bevorzugen handwerklich produzierten Bergkäse, da dieser deutlich mehr Charakter und Individualität besitzt.


Warum Bergkäse so aromatisch ist


Der intensive Geschmack von Bergkäse entsteht durch mehrere Faktoren:


Die Fütterung der Tiere


Die Kräuter und Gräser alpiner Wiesen enthalten zahlreiche natürliche Aromastoffe.


Die Rohmilch


Viele traditionelle Bergkäsesorten werden aus Rohmilch hergestellt. Dadurch bleiben besonders viele Geschmacksstoffe erhalten.


Die lange Reifung


Erst während der monatelangen Reife entwickeln sich die typischen würzigen und nussigen Aromen.


Die Pflege des Käses


Das regelmäßige Bürsten und Wenden beeinflusst die Entwicklung der natürlichen Rinde und des Geschmacks.


Bergkäse in der alpinen Küche


Bergkäse ist ein zentraler Bestandteil vieler traditioneller Alpen-Gerichte. Durch sein kräftiges Aroma eignet er sich hervorragend für warme und kalte Speisen.


Besonders beliebt ist Bergkäse in:


  • Kässpatzen

  • Fondue

  • Raclette

  • Brettljausen

  • Gratins

  • alpinen Suppen und Aufläufen


Auch auf Käseplatten entfaltet hochwertiger Bergkäse sein volles Aroma.


Nachhaltigkeit und Regionalität


Die Herstellung von Bergkäse steht häufig für nachhaltige Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung. Viele kleine Sennereien arbeiten eng mit lokalen Bauern zusammen und setzen auf traditionelle Produktionsmethoden.


Kurze Transportwege, natürliche Tierhaltung und handwerkliche Verarbeitung machen Bergkäse zu einem hochwertigen regionalen Lebensmittel mit besonderem Charakter.

Gerade in Zeiten zunehmender Industrialisierung gewinnt diese Form der traditionellen Lebensmittelproduktion immer mehr an Bedeutung.


Mehrere Sorten Käse und Weintrauben auf Holz

Fazit: Bergkäse ist echte Handwerkskunst


Die Herstellung von Bergkäse ist ein komplexer und traditionsreicher Prozess, der viel Erfahrung und Geduld erfordert. Von der hochwertigen Milch bis zur monatelangen Reifung entsteht ein Naturprodukt mit unverwechselbarem Charakter.


Die Kombination aus alpiner Herkunft, handwerklicher Herstellung und langer Reifezeit macht Bergkäse zu einer besonderen Spezialität, die weit über die Alpen hinaus geschätzt wird.


Wer hochwertigen Bergkäse genießt, erlebt nicht nur intensiven Geschmack, sondern auch ein Stück gelebter Alpenkultur und echter Handwerkskunst.

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